Über den Autor

Dr. Dr. Robert Köhnke

Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
Germany
040 7410 53259
r.rutkowski@uke.de
http://www.uke.de

Vita

Dr. Dr. Robert Köhnke wurde am 13.11.1974 in Georgsmarienhütte geboren. Nach erfolgreichem Abschluss des Zahnmedizinstudiums in Göttingen, schloss er das Studium der Humanmedizin in Wien an. Seine Facharztausbildung absolvierte er in Feldkirch (Vorarlberg) Österreich, mit ergänzenden Stationen unter anderem in Hornheide, Vaduz und Brasilien. Seit 2012 Mitarbeiter in der Abteilung für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, ist er hier seit 2017 als Oberarzt tätig. Klinische und wissenschaftliche Schwerpunkte liegen vor allem in der Dysgnathie- und Kiefergelenkschirurgie.

Co-Autoren

Dr. Christian Höhne, Dr. Frederic Kauffmann, Dr. Michael Hahn, Dr. Dr. Jan Semmusch, Priv.-Doz. Dr. Dr. Alexandre Assaf, Univ.-Prof. Dr. Max Heiland, Univ.-Prof. Dr. Dr. Ralf Smeets

Lokale Bisphosphonat-Applikation im Rahmen der Socket Preservation – eine tierexperimentelle Studie am Göttinger Minischwein

Thema

Die resorptiven Umbauvorgänge nach einer Zahnextraktion resultieren in einem deutlichen Hart- und Weichgewebsverlust, der zu einer lokalen knöchernen Volumenreduktion von bis zu 25 Prozent im ersten Jahr und bis zu 60 Prozent in den ersten fünf Jahren führt. Vor allem die vestibuläre Knochenlamelle wird stark kompromittiert und konsekutiv insbesondere die für den Implantat-Langzeiterfolg ausschlaggebende vestibulolinguale Distanz reduziert. Ziel dieser tierexperimentellen Studie war es, den Einfluss der lokalen Applikation des Aminobisphosphonats Pamidronat im Rahmen der Socket Preservation mittels xenogenem Knochenersatzmaterial (BEGO OSS, BEGO Implant Systems GmbH & Co. KG) auf die resorptiven Umbauvorgänge und den Dimensionserhalt alveolärer Strukturen nach Zahnextraktion zu untersuchen.

Material und Methoden

Nach Extraktion von jeweils vier Unterkieferprämolaren (P2/3 beidseits) an insgesamt fünf Göttinger Minischweinen erfolgte bei zwei Tieren eine Socket Preservation mittels BEGO OSS (n = 8 Alveolen) und bei drei Tieren eine Socket Preservation mittels BEGO OSS + Pamifos (15 mg; n = 12 Alveolen). Die basierend auf zu definierten Zeitpunkten durchgeführten Abformungen, angefertigten Modelle, wurden mittels inLab X5 Scanner (Dentsply Sirona Deutschland GmbH) digitalisiert und nach Bearbeitung der Rohdaten mittels 3D Slicer die generierten STL-Daten mit GOM Inspect 2018 (GOM, Braunschweig) überlagert und analysiert. Nach 16 Wochen erfolgte die Entnahme der Unterkiefer sowie deren Aufbereitung und Untersuchung mittels histologischer Standardmethoden.

Ergebnisse

Der vestibulolinguale Dimensionsverlust fiel in der Testgruppe (BEGO OSS + Pamidronat) gegenüber der Kontrollgruppe (BEGO OSS) sowohl vestibulär (–0,80 ± 0,57 mm vs. –1,92 ± 0,63 mm; p = 0,00298) als auch lingual (–1,36 ± 0,58 mm vs. –2,56 ± 0,65 mm; p = 0,00104) signifikant geringer aus (Abb. 1–3). In der Testgruppe zeigte sich zudem ein signifikant erhöhter Dimensionsverlust im vestibulären Bereich, im Vergleich zur lingualen Seite des Alveolarfortsatzes (p = 0,04036; Abb. 3). In der histologischen Untersuchung stellten sich kortikal und spongiös durchbaute Alveolen dar. Partikuläre BEGO OSS Residuen waren vereinzelt erkennbar und teilweise von osteoklastärer Resorption umgeben. Die histologischen Befunde werden hinsichtlich Knochenstruktur und Umbauvorgängen diskutiert (Abb. 4–7).

Videogalerie (1 Video )

Zusammenfassung:

Die adjuvante Anwendung von Pamidronat im Rahmen der Socket Preservation mittels xenogenem Knochenersatzmaterial reduziert signifikant den alveolären vestibulolingualen Dimensionsverlust und beeinflusst die resorptiven Umbauvorgänge am untersuchten Tiermodell. Weitere Untersuchungen im Hinblick auf u.a. Dosis-Wirkungs-Beziehungen, Volumeneffekte, Nebenwirkungen und eine Verifizierung der Tauglichkeit in Kombination auch mit anderen Knochenersatzmaterialien sind notwendig. Weiterhin sollte der Einfluss lokal applizierter Bisphosphonate auf die histologischen Umbauvorgänge in Bezug auf die zeitliche Dynamik analysiert werden.